Memorandum und Gesetzentwurf von Carl Goerdeler, Reichskommissar für die Preisüberwachung und Oberbürgermeister von Leipzig, vom 17. September 1933

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Weiter unten ein Zitat aus: „Der deutsche Faschismus in Quellen und Dokumenten“, Reinhard Kühnl, Wiesbaden und Köln, 2000 Papyrossa Verlag, ISBN 3-932412-85-0, S. 224 f. Hervorhebungen in Rot sind von mir.

Memorandum und Gesetzentwurf von Carl Goerdeler, Reichskommissar für die Preisüberwachung und Oberbürgermeister von Leipzig, vom 17. September 1933 über die endgültige Beseitigung des Betriebsrätegesetzes und dessen Ersetzung durch ein neues Arbeitsgesetz (Auszüge)

Was kann zur Förderung des Umsatzes weiter geschehen?

Nichts, als daß besonders die Wirtschaft von den Fesseln sinnloser Tarifverträge ebenso frei gemacht wird wie von den Einbildungen aller möglichen Stellen, man könne die Wirtschaft gängeln. Das kann man nicht, man kann ihr nur einen großen Wirkungsraum und gesunde Rechtsgrundlagen verschaffen. Dann muß jeder einzelne nach seinen Fähigkeiten in diesem Raume arbeiten. Die schwerste Fessel für eine Wiederbelebung der Wirtschaft sehe ich in der Wahnsinnsvorstellung, daß zu allen Zeiten unter allen Umständen mehr als 8 Stunden nicht gearbeitet zu werden braucht, um existieren zu können. Die notwendige Arbeitsleistung des einzelnen und des Volkes richtet sich nach den natürlichen Verhältnissen, in denen es lebt. Diese sind augenblicklich für Deutschland, was Absatzmöglichkeiten nach dem Ausland und was erarbeitetes Kapital betrifft, außerordentlich schmal, also muss viel gearbeitet werden…

Man kann auch gleich zupacken, indem man an das Tarifvertragswesen grundsätzlich herangeht. Es gibt begrifflich und wirtschaftlich nur folgende Möglichkeiten: a) Kollektive Arbeitsverträge, b) vom Reich festgesetzte, c) Möglichkeit a und b vermischt, d) Bezriebsregelung, e) Betriebsregelung mit Reichseingriffen.

Aus psychlogischen und wirtschaftsorganischen Gründen erscheint mir eine vollkommene Abkehr von dem Bisherigen erforderlich. Je rücksichtsloser und je entschlossener die Abkehr erfolgt, um so wunderbarer wird die Wirkung sein. So ist es nicht, daß im Volk dafür kein Verständnis ist, im Gegenteil, das einfache Volksempfinden ist viel stärker als alle Überlegung, und der einzelne empfindet sehr wohl, daß letzten Endes das Arbeiten und die Leistung in der Arbeit entscheidend ist und nichts anderes. Ich schlage also vor, die Verordnung über das Tarifvertragswesen laut Anlage zu ändern. Der einzelne Unternehmer erhält freie Hand, mit seiner Belegschaft die Arbeitsbedingungen festzusetzen. Schon dadurch wird er gezwungen, den nationalsozialistischen Gedanken zu verwirklichen und seiner Belegschaft vollkommenen Einblick in Zweck, Stand und Möglichkeiten des Unternehmens zu gewähren. Hier beginnt die gleichzeitige Erziehungsarbeit der Deutschen Arbeitsfront. Der einzelne Mensch soll sich wieder als lebendiges Glied seines Unternehmens fühlen. Selbstverständlich wird dadurch ein Wertbewerb ausgelöst…

Entwurf für ein Gesetz zur Erhaltung von Arbeitsstellen, zur Förderung der Arbeitsbeschaffung und zur weiteren Belebung der Wirtschaft. Vom…

Die Reichsregierung hat das folgende Gesetz beschlossen, das hiermit verkündet wird.

§ 1. Die Tarifvertragsverordnung vom 23.12. 1918 in der Fassung der Bekanntmachung vom 1.3. 1928 wird aufgehoben.

§ 2. Die Regelung der Arbeitsbedingungen erfolgt durch den verantwortlichen Betriebsleiter nach anhörung der Vertrauensmänner des Betriebes…

§ 4. Der Betriebsleiter ist verpflichtet, den Betrieb wirtschaftlich zu führen, wie es dem Gesamtinteresse der Volkswirtschaft am besten entspricht, und in diesem Rahmen die wirtschaftlichen und sozialen Belange der Betriebangehörigen zu pflegen und zu fördern.Die Betriebsangehörigen sind verpflichtet, die Belange des Betriebes wahrzunehmen, dem Betriebsleiter die Treue zu halten und die Erhaltung der Betriebsstätte allen Sonderwünschen voranzustellen.

Aus: Anatomie des Krieges, S. 118-120

About belljangler

Dipl.-Kfm. Winfried Sobottka, geb. 16.07.1958 in Waltrop, Kreis Recklinghausen, wohnhaft: Karl-Haarmann-Str. 75 in 44536 Lünen, Tel. 0231 986 27 20
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